„Stadt erschwert uns die Arbeit“ – Unser 1. Vorsitzender, Bernd Röding, im Interview mit dem SHZ

„Stadt erschwert uns die Arbeit“

Probleme mit der Geschäftsstelle: Bernd Röding, Vorsitzender der Sportfreunde Pinneberg, wünscht sich mehr Flexibilität im Rathaus

Pinneberg // Keine vernünftige Geschäftsstelle, zu wenig ehrenamtliche Helfer, dazu vor kurzem die Abmeldung einer Mannschaft – die Sportfreunde Pinneberg haben mit einigen Problemen zu kämpfen, lassen sich aber davon nicht unterkriegen. Sportfreunde-Vorsitzender Bernd Röding spricht über die Sorgen des Vereins und erklärt, warum er sich eine engere Zusammenarbeit zwischen den Pinneberger Vereinen wünscht.

Was zeichnet die Sportfreunde Pinneberg aus?
Das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Sportfreunde sind fast so wie Schalke 04 – ein Verein, für den man einsteht, unabhängig von den Ergebnissen.

Es gab mit der Stadt Diskussionen über die Nutzung von Kabinen und dem Veranstaltungsraum, der zeitweise nicht benutzt werden durfte. Wurde das Problem gelöst?
Wir haben uns mit der Stadt geeinigt. Das heißt aber nicht, dass alle unsere Probleme gelöst sind. Wir haben an der Müßentwiete immer noch kein richtiges Büro und teilen uns einen kleinen Raum mit dem TBS Pinneberg. Neue Büroräume können wir uns nicht leisten. Wenn wir alles in Eigenregie gemacht und diesen Raum umgebaut hätten, wäre die Finanzierung kein Problem, weil nur etwa 800 Euro angefallen wären. Die Stadt besteht aber darauf, dass der Kommunale Servicebetrieb die Arbeiten übernimmt. Das würde uns 14000 Euro kosten. So viel Geld können wir nicht aufbringen. Ich finde es schade, dass so unsere ehrenamtliche Arbeit erschwert wird.

Was bedeutet das fehlende Büro für den Verein?
Im jetzigen Büro herrscht Chaos. Manchmal liegen dort sogar benutzte Trikots und man mag den Raum wegen des Gestanks gar nicht betreten. Wir brauchen dringend eine richtige Geschäftsstelle. Ohne die ist man als Verein aufgeschmissen. Derzeit  muss ich die Mitgliederverwaltung übernehmen. Bürgermeisterin Urte Steinberg hatte vorgeschlagen, einen Container zu nutzen. Das wäre eine gute Lösung. Aber auch dafür fehlt uns das Geld. Es wäre deshalb schön, wenn uns Sponsoren unterstützen.

Mit was für Problemen hat der Verein zu kämpfen?
Die Arbeit liegt auf den Schultern von höchstens fünf Leuten. Wir bräuchten dringend weitere  Helfer, die sich einbringen wollen. Ärgerlich ist, dass wir unsere zweite Mannschaft abmelden mussten. Diese bestand ausschließlich aus Migranten. Wir wollten, dass dieses Team nicht nur Fußball spielt, sondern sich auch um das ganze Drumherum kümmert. Das Projekt sollte der Integration dienen, ist aber gescheitert, weil einige Spieler in der Partie gegen den FC Rellingen ausflippten. Wir haben die Mannschaft daraufhin  vom Spielbetrieb abgemeldet. Nur so konnten wir größeren Schaden vom Verein abwenden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?
2020 feiern wir unser 75-jähriges Bestehen und würden dieses Jubiläum gerne mit einem Spiel gegen eine namhafte Mannschaft verbinden. Holstein Kiel wäre ein toller Gegner. Dazu werden wir noch mehrere Turniere für Jugendmannschaften ausrichten.  Bis dahin werde ich Vorsitzender bleiben. Danach werde ich das Amt aber abgeben.

Profitieren die Sportfreunde vom Sportentwicklungsplan der Stadt?
Im Moment noch nicht. Ich hoffe aber, dass auch an der Müßentwiete irgendwann ein Kunstrasenplatz errichtet wird.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Vereinen in Pinneberg?
Grundsätzlich sehr gut. Ich denke aber, dass wir noch enger zusammenarbeiten müssen. Alleine sind wir nichts und haben keine Chance, Talente zu halten. Wenn wir unsere Kräfte bündeln, sähe das schon anders aus. Gerade Im Fußball sehe ich keine andere Möglichkeit.

Ist es für die Sportfreunde denkbar, sich der Sportallianz vom VfL, dem SC Pinneberg und dem SuS Waldenau anzuschließen?
Auf jeden Fall. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns dort einbringen. Das wäre vielleicht sogar ein erster Schritt, um irgendwann einen gemeinsamen Verein für Pinneberg zu gründen, auch wenn das jetzt noch unrealistisch erscheint. Wenn alle Vereine unter einem Dach sind, wären viele Dinge einfacher – zum Beispiel die Koordinierung der Hallenzeiten oder der Trainingsstätten. Dann wäre Pinneberg wieder eine Sportstadt. So könnte man zumindest dafür sorgen, dass die Kreisstadt wieder eine Sportmacht wird und nicht wie in den meisten anderen Bereichen an Bedeutung verliert.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit bei den Sportfreunden?
Die Sportfreunde sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Mein Vater war einer der Gründer des Vereins. Ich bin 1956 in den Verein eingetreten und bin dort seit etwa fünf Jahrzehnten ehrenamtlich tätig. Bereits mit 14 Jahren wurde ich Schiedsrichter-Obmann.

Zur Person:
Bernd Röding (70) ist seit 2013 Vorsitzender der Sportfreunde Pinneberg, Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, zwei Enkelkinder und arbeitet als selbstständiger EDV-Berater. Sein ehrenamtliches Engagement beschränkt sich nicht nur auf die Sportfreunde. Röding war außerdem Vorsitzender des Kreisschützenverbands.

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